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Kurzgeschichten

Weihnachtsgeschichte Magica 1

Info: Diese Weihnachtsgeschichte zu Magica kann ohne jegliche Vorkenntnisse gelesen werden. Sie spielt vor dem Anfang des ersten Teils.

Noch nie war ich so froh über mein Kleid und meinen Umhang gewesen, wie an diesem Tag. Es war schrecklich kalt, während wir durch den Schnee zu der kleinen Lichtung im Wald stapften. Die letzten Jahre hatte es an Saturnalien nie geschneit, dafür schien es nun so, als würden wir den ganzen Schnee aus dieser Zeit auf einmal bekommen.

Meine Schwester Lisa schlang sich ihren Umhang fester um den Körper. „Wieso können wir das Fest nicht auch einfach in unseren Häusern feiern, so wie die Menschen es tun?“, flüsterte sie zitternd. „Oder uns wärmere Kleider schneidern?“

„Und im Sommer beschwerst du dich dann wieder, dass dir zu heiß ist“, erwiderte ich nur, da wir die Lichtung betraten, auf dem schon der Ritualkreis ausgelegt war und man unseren Stammesmitgliedern ansah, dass sie das Ritual so schnell wie möglich hinter sich bringen wollten, um wieder in die Wärme ihrer Häuser zurückzukönnen.

Nachdem auch die Letzten in den Kreis getreten waren, schloss meine beste Freundin Sylvia diesen mit dem weißen Schlussstein. Die Zeremonie konnte beginnen.

Unsere Stammesleiterin Joanna stimmte das erste Lied an, während sie jedem von uns eine kleine Kerze reichte. „Gaia, seol teas san am fuar. Solas dorchadais shárú.“

Mit jeder Kerze, die brannte, wurde der Kreis heller, und wie in dem Lied gesungen wurde, kamen Wärme und Licht in unsere Gemeinschaft, wodurch Kälte und Dunkelheit besiegt wurden.

Lächelnd ließ ich den Blick über den Stamm kreisen. Joanna bewegte sich auf die Feuerschale zu, die man zu diesem Zweck in die Mitte des Kreises gestellt hatte. Für mich war das Saturnalienritual immer das faszinierendste, denn seit ich ein kleines Kind war, hatte ich schon immer eine besondere Verbindung zu Feuer gespürt und vor einem Jahr hatte sich dann auch gezeigt, dass es mein Element war.

Jetzt loderte auch das große Feuer in der Mitte und wie jedes Jahr versuchte ich in den Flammen Gaia zu erkennen. Es hieß immer, dass sie in jedem Ritual anwesend war, und in mir hatte sich der Glaube festgesetzt, dass man sie in den Elementen entdecken konnte.

Doch wie immer bildete ich mir zwar einige Silhouetten ein, konnte jedoch nicht sicher sein, ob sie wirklich existierten, oder ob das nur Wunschdenken von mir war. Wahrscheinlich sollte ich mich einfach damit abfinden, dass ich Gaia vor meiner Manifestation nicht sehen würde.

Mein Blick wanderte zu Joanna, die ein Blatt mit den verstorbenen Stammesmitgliedern ins Feuer warf. Dann deutete sie auf ihre Tochter, die als Nächstes in die Mitte trat und einen von ihr gewählten Gegenstand in die Flammen warf. Jeder von uns hatte sich etwas ausgesucht, das symbolisieren sollte, was wir nicht in das neue Jahr mitnehmen wollten. Obwohl die Menschen ihren Jahreswechsel erst in einer Woche feierten, lagen bei uns die beiden Rituale auf einem Termin.

Als ich an der Reihe war, holte ich genauso wie Joanna ein Blatt Papier aus meiner Umhangtasche. Ich hatte lange nicht gewusst, was ich hinter mir lassen wollte, bis mir beim Malen unwillkürlich eine Idee gekommen war. Die Zeichnung, die sich auf dem Papier befand, zeigte mich umringt von den Hexen und mit einer riesigen Flamme im Hintergrund. Keiner sollte mich nur noch auf meine Kräfte reduzieren. Diese Zeit war vorbei und ich war sehr zuversichtlich, dass dieses Vorhaben nicht all zu schwer umzusetzen sein würde.

Der Zettel war gerade aus meiner Hand geglitten, als mich plötzlich ein Schwindelgefühl heimsuchte. Benommen taumelte ich einige Schritte zurück und spürte, dass mich jemand auffing, doch da wurde schon alles schwarz um mich.

Hatte ich darauf gehofft, dass dadurch Ruhe einkehren würde, so hatte ich mich getäuscht. Das Schwindelgefühl wurde durch unermessliche Schmerzen ersetzt, die überall in meinem Körper zu spüren waren. Da ich keine heilenden Kräfte besaß, konnte ich auch nichts dagegen tun, vor allem weil ich nicht den blassesten Schimmer hatte, was gerade mit mir geschah.

Erst nach und nach ebbte das Gefühl des Fallens ab und auch die Schmerzen lösten sich in Wohlgefallen auf. Dafür fand ich mich in unserem Haus wieder, obwohl ich gar keinen Zauber ausgesprochen hatte.

Außer mir war noch niemand zu Hause, zumindest dachte ich das. Jedoch wurde ich eines Besseren belehrt, als ich in die Küche trat und dort Mutter vorfand.

„Mutter, wie bist du so schnell hierhergekommen?“, wollte ich erstaunt von ihr wissen, doch sie reagierte gar nicht.

Stattdessen stand ich mir selbst gegenüber. „Was gibt es zum Essen?“, fragte meine Doppelgängerin.

Dieses Mal antwortete Mutter: „Zur Feier des Tages gibt es Kaninchen-Eintopf.“

Was passierte hier gerade? Befand ich mich gerade in einer anderen Welt? Mein anderes Ich zeigte eine Art von Erkenntnis auf ihrem Gesicht, während mich wieder Schwindelgefühl überfiel.

Als ich dieses Mal meine Augen wieder öffnete, knieten Lisa und Joanna über mir. „Kristy, geht es dir gut?“, wollte meine Schwester besorgt von mir wissen, während Joanna mich stolz anlächelte.

„Worum ging es in deiner Vision?“, fragte unsere Stammesleiterin mit leuchtenden Augen.

Vision? Oh Gaia, ich wollte doch nicht mehr auf meine Kräfte reduziert werden und nicht noch eine neue Magie hinzubekommen. So würde sich mein Wunsch doch etwas schwieriger gestalten als gedacht.

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