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Ein Pfad aus Eis und Liebe,  Kurzgeschichten

Weihnachtsgeschichte zu Rückkehr nach Frystandra

* Disclaimer: Diese Weihnachtsgeschichte zu Rückkehr nach Frystandra spielt zu einem unspezifizierten Zeitpunkt auf der Erde. Ihr könnt die Geschichte lesen, ohne euch in Bezug auf die Handlung der Reihe zu spoilern. *

Geschenke packen mit Viola und Noah

„Gibst du mir mal das rote Geschenkpapier?“

Verwirrt zog ich die Augenbrauen nach oben. „Meinst du du das hier mit den Sternen oder das mit den Schlitten?“ Meine Güte, wie konnte es sein, dass er so viel Auswahl hatte. Selbst bei meiner Mitbewohnerin Livia, die ich in den letzten Wochen als absolute Geschenkpackfanatikerin kennengelernt hatte, hatte ich nur drei Rollen entdeckt und nicht wie hier von gefühlt jeder Farbe zwei Varianten.

Noah sah von dem Buch auf, das er gerade einschlug. „Das mit den Schlitten. Die sind doch auch rot, deswegen ist das das rote. Das andere ist das mit den Sternen.“

Nur mit Mühe konnte ich mir den Kommentar verkneifen, dass auch noch ein blaues mit Sternen da war. Stattdessen reichte ich ihm die Rolle und machte mich wieder daran, die letzten Schleifen zu binden. Die einzige Tätigkeit, die Noah mir an diesem Nachmittag zutraute.

Schuld daran war mein misslungener Versuch, die DVD für Livia einzupacken. Das Papier war in den Ecken gerissen und enganliegend war auch etwas anderes. Deswegen hatte mir Noah dankenswerterweise das Verpacken abgenommen oder sollte ich eher sagen verboten.

In Frystandra hatte ich als Prinzessin nie Geschenke verpacken müssen und die Tradition von Weihnachten gab es sowieso nicht. Vielleicht fand ich sie deswegen so toll. Die Menschen kamen zusammen und feierten ein Fest, bei sie sich gegenseitig eine Freude machten. Selbst bei den Feiern in Frystandra hatte ich das nicht gekannt. Geschenke gab es zum Geburtstag und sonst nicht. Zumindest war ich mit diesem Wissen aufgewachsen.

„Und du bist dir sicher, dass ich nicht helfen soll?“, versuchte ich es trotzdem nochmal. Verdammt, ich fühlte mich schlecht, weil er die ganze Arbeit machte. Fünf Schleifen binden war wirklich kein Anstrengung und vor allem schnell erledigt. Jetzt saß ich ihm gegenüber und hatte nichts mehr zu tun. „Ich kann dir …“

„Viola, nein“, unterbrach er mich und lächelte mich dabei amüsiert an. „Ich bin schneller, wenn ich das allein mache. Sonst muss ich alles zweimal verpacken.“ Er nickte zu meinem kläglichen Päckchen. „Obwohl Livia diese Verpackung sicher sehr amüsant finden würde.“

Ein trockenes Lachen entwich mir. „Natürlich. Und danach würde sie mir einen stundenlangen Einpack-Kurs geben. Ganz sicher nicht. Ich verstehe gar nicht, was euch so viel Spaß daran macht. Das Papier ist störrisch, der Klebefilm klebt immer an den falschen Stellen und am Ende ist man verletzt.“ Wie zum Beweis hob ich meine Hand, um ihm die Schnitte zu zeigen, die deutlich auf meinen Fingern zu sehen waren. Da half mir meine Gabe, Eis und Schnee zu beherrschen, rein gar nichts.

„Wie gut, dass du mich hast.“ Das Lächeln auf Noahs Gesicht schickte ein Gefühl von Wärme durch meinen Körper und ich lächelte ebenfalls. Es war so verdammt gut, dass wir uns kennengelernt hatten. Nicht nur wegen seiner Hilfe, sondern einfach weil er er war.

Dann sah er sich in der Küche um. „Wo ist eigentlich Svea?“

„Sie wollte eigentlich …“ Verwirrt blickte ich mich ebenfalls um. Er hatte recht. Eigentlich hatte meine sprechende Schneewölfin gemeint, dass sie nur kurz was schauen wollte. Aber jetzt war sie schon seit einiger Zeit verschwunden. Wegen meiner Misere hatte ich gar nicht mehr daran gedacht. „Ich suche sie mal. Nicht dass sie etwas anstellt.“

Das glaubte ich zwar nicht – als Schneewölfin der Kronprinzessin wusste Svea, wie sie sich zu benehmen hatte – aber sicher war sicher. Schließlich war sie nicht der größte Fan von Noah und wir waren in seiner Wohnung, damit meine Mitbewohnerin nichts von unserem Einpacken mitbekam. Sie belagerte mich schon die ganze letzte Woche, um herauszufinden, was ich ihr schenken würde. Immer kreativer waren ihre Fragen geworden, aber bisher hatte ich standgehalten. Oder sollte ich eher sagen, ich hatte sie glauben lassen, die Lösung gefunden zu haben.

In Noahs 2-Zimmer Wohnung gab es nicht viel Auswahl, wo Svea sein konnte. Die Küche und der daran angeschlossene Wohnbereich fielen schon mal weg, weil wir dort selbst die ganze Zeit gewesen waren. Blieben also nur das Schlafzimmer und das Bad. Mehrmals rief ich nach ihr, aber sie reagierte nicht. Ungewöhnlich. Sonst bekam ich sie nur schwer dazu, still zu sein. Vor allem, wenn sie sich nicht aus Schutz vor den anderen Menschen zurückhalten musste.

Das Bad war leer. Dafür wurde ich im Schlafzimmer fündig. Nur mit Mühe konnte ich bei dem Anblick ein Quietschen unterdrücken. Svea lag zusammengerollt auf Noahs Bett und schien tief und fest zu schlafen. Sie reagierte gar nicht auf mich. Stattdessen bildete ich mir sogar ein, dass eine Art Schnarchen hörte.

Leise schlich ich zu Noah zurück. „Komm mal mit. Ich muss dir was zeigen.“ Anfangs sah er mich besorgt an, aber mein Lächeln schien ihn zu überzeugen, dass ihn kein heilloses Chaos erwartete.

„Ich hoffe, du hast kein Problem damit“, meinte ich und deutete auf meine Schneewölfin.

Noah schüttelte den Kopf und lächelte mich freudig an. „Wenn das heißt, dass sie mich akzeptiert, ist mir alles recht.“

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Ich hoffe, euch hat die Weihnachtsgeschichte zu Rückkehr nach Frystandra gefallen. Solltet ihr jetzt Lust auf das Buch gefunden haben, findet ihr hier weitere Infos dazu.

Frohe Weihnachten

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